Johanna Bossarts ruhiges und zugleich ausdrucksstarkes Arrangement besteht aus einem schlichtem Tischbock, gefalteter Tischwäsche und drei kleinen kuriosen Vögeln. Ausgangspunkt für ihr Werk war ein Erbe in Form von Familiensilber. Die Künstlerin wollte die dominanten patriarchalischen Rollenbilder ihrer Familie weder weiterpflegen noch fortführen, und aus diesem Grund schmolz sie das geerbte Besteck ein und fertigte daraus drei Vogelfiguren mit Hüten an: «Gotte Lottes Silberlöffel (Silbervogel I–III)» (2025). Das vorliegende Motiv ist inspiriert von Bossarts fotografischer Arbeit «Faux» (2024). Der darauf abgebildete Keramiktopf wird von drei rabenähnlichen Vögeln getragen — in der vorliegenden Arbeit sind die Tiere von ihrer Last befreit und auf der Suche nach einem neuen Zweck. Bossarts Installation thematisiert schwerwiegende Themen, wie Erbschaft und herrschende Wertvorstellungen, und zeigt auf, dass sich Traditionen weiterentwickeln können. Die Jury würdigt mit einem Werkbeitrag von CHF 30’000 die kraft- und hoffnungsvolle Ausdrucksform von Kunstwerk und Kunstschaffen. Aoife Rosenmeyer
JOHANNA BOSSART, *1977, Bern, Werkbeitrag, CHF 30’000. johannabossart.ch
Visuals: Porträtbild © Christian Beutler. Werkbilder © Christian Beutler